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Etwas mehr als hundert Seemeilen von der ostafrikanischen Küste entfernt, mitten
im Indischen Ozean, 4 Grad südöstlich des Äquators, finden wir eines der wohl schönsten
Segelreviere der Welt:
Die Seychellen.
Die insgesamt 115 Inseln und Inselchen sind größtenteils unbewohnt, und viele sind
Naturreservate und dürfen nur einige Stunden pro Woche betreten werden. Die Seychellois
sind sehr umweltbewußt und haben ihre Region erst 1995 unter starker Kontrolle dem
Chartermarkt geöffnet.
Segler finden spezielle Ankerplätze vor, um die Korallenriffe vor
Schäden von Schiffsankern zu schützen.
Hinter all dem Bestreben steht das Bewusstsein,
dass die Seychellen Meeresoasen sind, die sich in Millionen von Jahren kaum verändert
haben. Es gibt weder Tropenkrankheiten noch Wirbelstürme, kaum Armut oder Verbrechen
und keine giftigen Lebewesen.
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Amtssprachen: Seselwa, Englisch, Französisch
Hauptstadt: Victoria
Staatsform: Republik
Präsident: James Alix Michel (seit 14. April 2004)
Fläche: 455 km²
Einwohnerzahl: 80.832 (Stand Juli 2004)
Bevölkerungsdichte: 177 Einwohner pro km²
Unabhängigkeit: 29. Juni 1976 (von England)
Währung: Seychellen-Rupie
Zeitzone: UTC +4
Vorwahl: +248
Geographie
Die Republik der Seychellen ist ein Inselstaat im Indischen Ozean.
Er liegt östlich von Afrika und nördlich von Madagaskar und Mauritius.
Die Republik besteht aus 115 Inseln und gliedert sich in 32 Gebirgsinseln (hauptsächlich
Granitstein), welche die eigentlichen Seychellen darstellen, und in zahlreiche kleine
Koralleninseln, die sogenannten Outer Islands, die auf einer Meeresfläche von über
400.000 km² verteilt liegen.
Die Inselgruppe um Mahé mit Praslin und La Digue, die "Inner Islands" oder "Seychelles
Bank" genannt wird, ist die am dichtesten bevölkerte und damit wichtigste Inselgruppe
des Landes. Wie die meisten anderen bewohnten
Gebiete auch gehören ihre Inseln zu
den Gebirgsinseln.
Auf Mahé ist auch der höchste Punkt des Landes zu finden, der Morne Seychellois,
der 905 m über dem Meeresspiegel liegt. Rund um diese drei großen Inseln befinden
sich mehrere kleine Inseln, die teilweise bewohnt, im Besitz von Hotelbetreibern
oder aus Gründen des Naturschutzes völlig unbewohnt belassen werden. Alle sind beliebte
Ausflugsziele für Touristen auf den drei großen Inseln. Etwas davon abgelegen, also
keiner Mutterinsel zuzuordnen, und trotzdem zur "Seychelles Bank" gehörend, liegen die Inseln Shilouette, Île du Nord (Northern Island), Frégate, Île aride, Île aux
Vaches (Bird Island) und Île Denis. Außerhalb der "Seychelles Bank" erstrecken sich
die Outer Islands, mit den Inselgruppen Aldabra-Gruppe (Hauptinseln im Aldabra-Atoll),
dem Cosmoledo-Atoll, der Farquhar-Gruppe mit der Hauptinsel Providence Island, der
Alphonse-Gruppe mit der Hauptinsel Alphonse Island und der Gruppe Les Amirantes
mit Desroches als Hauptinsel. Von den anderen Gruppen abgelegen sind die Inseln
Île Plate (etwa 160 km südlich von Mahé) und Coetivy (280 km südlich von Mahé).
Auf den zahlreichen Koralleninseln gibt es wegen der geringen Höhe (höchste Punkte
bei 9 m über dem Meeresspiegel) und dem mangelnden Trinkwasser nur wenige, kleine
Siedlungen.
Das Klima ist wegen der Nähe zum Äquator tropisch und recht konstant, die Temperatur
schwankt zwischen 24 °C und 30 °C. Die Niederschlagsmenge variiert zwischen 2.880
mm in der Hauptstadt Victoria und 3.550 mm in den Bergregionen.
Bevölkerung
Die große Mehrheit der Bevölkerung (über 90 %), oft als „Kreolen“ bezeichnet, ist
eher dunkelhäutig und gemischter Abstammung aus afrikanischen und madagassischen
Sklaven und europäischen Siedlern und spricht Seselwa als Muttersprache. Daneben
gibt es eine Minderheit rein europäischer Abstammung sowie kleine chinesische und
indische Minderheiten. Die große Mehrheit der Bevölkerung (90 %) ist katholisch,
etwa 8 % sind Protestanten. Chinesen und Inder sind Anhänger der Religionen ihrer
Herkunftsländer.
Geschichte
Es wird vermutet, dass die Inseln von arabischen Händlern entdeckt wurden. Die frühesten
protokollierten Entdecker waren die Portugiesen, welche die Inseln erstmals 1505
erwähnten. Obwohl sie der westlichen Welt bekannt waren, wurden die Seychellen erst
150 Jahre nach ihrer Entdeckung von den Franzosen besiedelt. Von 1794 bis 1811 kam
es zwischen den Franzosen und Engländern zum Konflikt um die Inseln, aus welchem
die Engländer als Sieger hervorgingen. Die Seychellen wurden unter der englischen
Herrschaft Teil von Mauritius. Am 31. August 1903 erhielten die Seychellen den Status
einer eigenständigen Kolonie. Die Unabhängigkeit erlangten die Seychellen 1970,
die so genannte erste Republik, wurde aber erst 1976 gegründet und 1979 zugunsten
eines Ein-Parteien-Regimes, der zweiten Republik, wieder abgesetzt. Erst 1993 trat
die aktuelle Verfassung, die dritte Republik, in Kraft, welche wieder mehrere Parteien
zulässt. Regierungspartei ist die ehemalige Einheitspartei SPPF (Seychelles People's
Progressive Front).
Politik
Der Präsident der Seychellen ist seit dem 14. April 2004 James Alix Michel (*1944).
Er löste France-Albert René ab, der zuletzt 2001 mit 54 % der Stimmen in seinem
Amt bestätigt wurde und im März 2004 sein Amt als Präsident der Seychellen niederlegte.
Michel hatte bisher das Amt des Vizepräsidenten inne. Die Präsidentschaftswahlen
finden alle 5 Jahre (seit 2001 getrennt von den Parlamentswahlen) statt. Das Staatsoberhaupt
ist in den Seychellen gleichzeitig auch der Regierungschef und setzt die Richter
der zwei höchsten Gerichte ein. Das Parlament (genannt National Assembly oder Assemblee
Nationale) besteht aus 34 Abgeordneten, von denen 25 direkt gewählt werden, die
restlichen neun Sitze werden proportional zu allen Stimmen an die Parteien verteilt,
die mindestens zehn Prozent der Stimmen erhalten haben.
Wirtschaft
Tourismus
Die Hauptstadt VictoriaDer Tourismus ist die Hauptbranche der Seychellen, in ihr
sind etwa 30 Prozent der arbeitenden Bevölkerung beschäftigt, 70 Prozent des Einkommens
des Landes kommen aus diesem Bereich.
In den vergangenen Jahren wurde viel
Geld in den Ausbau der Hotels und der anderen
touristischen Dienstleistungen investiert.
Andererseits versuchte die Regierung auch, die Abhängigkeit von der Tourismusbranche
zu reduzieren, da diese sich im ersten Golfkrieg und nach den Anschlägen am 11.
September 2001 sehr verwundbar gezeigt hat und schwere Einbußen hinnehmen musste.
Die Anstrengungen der Regierung konzentrieren sich dabei hauptsächlich auf den Fischfang
und den Agrarbereich, aber auch auf kleine Industrieunternehmen.
Währung
Das Wirtschaftssystem ist begrenzt frei; es herrscht Annahmepflicht für die nicht-konvertierbare
Währung "Rupie", deren Wert auf dem freien Markt nur etwa ein Drittel des amtlich
festgesetzten Kurses beträgt.
Staatsausgaben
Zwischen 1992 und 2000 lag der Anteil der Staatsausgaben für das Gesundheitswesen
bei 7% das Bildungswesen bei 9% das Militär bei 3%
Umwelt
Die Erhaltung der natürlichen und kulturellen Ressourcen ist Anliegen der Fremdenverkehrspolitik.
Gebäude dürfen die Kokospalmen nicht überragen und einer harmonischen und naturverbundenen
Bauweise z. B. von Hotels wird große Bedeutung beigemessen.
Die Seychellen verfügen
über zwei Orte, die von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurden. Das Umweltschutzprogramm
weist 20 Schutzgebiete aus und kennzeichnet weitere 370 Orte, deren Natur besonderen
Schutzes bedarf.
Das Tauchen ist in den Gewässern der Seychellen ein Erlebnis –
aber nur zum Anschauen. Taucher dürfen nichts aus dem Meer mitnehmen und Harpunen
sind verboten.
Die Seychellen sind Heimat von 75 Pflanzenarten, 12
Amphibien- und 11 Vogelarten und über 1.000 Arten wirbelloser Tiere, die alle eines
besonderen Schutzes bedürfen. Die Regierung des Landes hat deshalb 230 km² Wasserfläche
und etwa 49 % der insgesamt 455 km² Landfläche (210 km²) als Naturschutzgebiete
ausgewiesen, darunter auch einige Inseln in ihrer Gesamtheit.
Gemessen an der Grundfläche
verfügen die Seychellen damit über den größten Anteil an Naturschutzgebieten auf
der ganzen Welt. Auf den Seychellen gibt es eine reiche endemische Flora und Fauna,
allein drei Arten von Riesenschildkröten. Vor allem auf dem Aldabra-Atoll findet
man die weltgrößte Kolonie von Riesenlandschildkröten, mit 150.000 Aldabra-Riesenschildkröten.
Auch der letzte überlebende flugunfähige Vogel des indischen Ozeans, die Weißkehlige
Ralle, ist hier beheimatet.
Das Vallée de Mai ("Maital") auf Praslin – von der UNESCO
zum Weltnaturerbe erklärt und von der „Seychelles Island Foundation“ (SIF) verwaltet,
die 1979 eigens zu diesem Zweck gegründet wurde – ist die Heimat des Wasa-Papageis
und der berühmten Seychellennuss, der „Coco de Mer“.
Auf der Hauptinsel Mahé sowie
auf Silhouette ist die dort endemische Familie der Seychellenfrösche anzutreffen.
Daneben kann man auch auf den geschützten Inseln Aride, Cousin und Curieuse seltene
Tiere und Pflanzen beobachten.
Das Umweltministerium ist für die Verwaltung und
den Schutz bedrohter Arten und ihrer Lebensräume und für die Nationalparks verantwortlich.
Die 1982 ins Leben gerufene Umweltkommission (SNEC) überwacht die Einhaltung von
Vorschriften und erstellt in regelmäßigen Abständen Zustandsberichte für Boden,
Wasser, Flora und Fauna sowie über die Luft- Wasser- und Lärmbelastung.
Schon früh in der noch jungen Geschichte des Landes schloss die Republik Seychellen die Umwelt
als Unterpunkt des Kapitels Fremdenverkehr in den „Nationalen Entwicklungsplan (NDP)
ein und entwarf einen „Umwelt-Management-Plan“ (EMPS), der bis zum Ende des 2. Jahrtausends
reicht.
Letzterer beschreibt eine Vielzahl von umweltpolitischen Projekten in Bereichen
wie Überwachung von Schadstoffemissionen, Abfallverwertung, Verwaltung natürlicher
Ressourcen, Energieeinsparung, Schutz bedrohter Tierarten, Umweltgesetzgebung sowie
Information, Aus- und Weiterbildung zum Thema Umweltschutz bei der einheimischen
Bevölkerung. In diesen Plänen erklären die Seychellen, dass sie sich verpflichten,
ihre Umwelt und ihre Natur zu bewahren und sicherzustellen, dass sich die Bedürfnisse
nach Wohnraum und Infrastruktur in die natürliche Umgebung einfügen. Die Seychellen,
so heißt es dort weiter, dürften nicht zulassen, dass sich der Tourismus auf Kosten
der Umwelt entwickle, wie dies andernorts geschehen sei. Aus diesem Grund ist das
Umweltministerium bereits in den frühen Planungsstadien an Fremdenverkehrsprojekten
beteiligt und fordert Umweltverträglichkeitsstudien für alle größeren Vorhaben.
Unter dem Stichwort „sustainable development“ sind alle beteiligten Stellen direkt
dafür verantwortlich, dass keine ihrer Maßnahmen der Umwelt schadet, sondern, im
Gegenteil, zu einer Entwicklung beiträgt, die sowohl unter ökologischen wie auch
ökonomischen Gesichtspunkten tragbar
ist.
Jedes Jahr besuchen mehr als 120.000 Touristen
die Seychellen. Obwohl das Land einen erstaunlich hohen Lebensstandard erreicht
hat, ist es den nur 81.000 Einwohnern kaum möglich, den Schutz von Umwelt und Natur
ganz allein und ohne Unterstützung von außen zu finanzieren. Deshalb appelliert
die Regierung der Seychellen an alle, die die natürlichen Vorzüge des Landes genießen,
sich auch finanziell an deren Erhalt zu beteiligen. Aus diesem Grunde haben die
Seychellen ein umfassendes Umwelt- und Naturschutzkonzept entwickelt. Der Umweltschutz
genießt seit Juni 1993 in der neuen Konstitution der „Dritten Republik“ der Seychellen
Verfassungsrang. Artikel 38 garantiert das Recht der Bürger auf eine „saubere, gesunde
und ökologisch ausgewogene Umwelt“, während Artikel 40(e) jeden Bürger verpflichtet,
die Umwelt zu schützen, zu erhalten und zu verbessern. Der kleine Staat möchte sich
als Modell für einen ökologisch verantwortlichen Fremdenverkehr präsentieren, der
einer dauerhaft gesunden Umwelt größere Bedeutung beimisst als kurzfristigen Besucherzuwächsen.
Die Naturlandschaft ist der Reichtum des an Rohstoffen armen Landes und die Seychellen
verstehen sich nicht als Besitzer, sondern als Hüter dieses Schatzes. Urlaub in
einer einzigartigen Umgebung, die geprägt ist von geologischen Naturwundern und
einer vielfältigen Flora und Fauna ist ein unvergessliches, unersetzliches und für
viele einmaliges Erlebnis. Um sicherzustellen, dass sich dieses wertvolle Gut, das
die Seychellen hüten, nicht erschöpft, sind umfangreiche Maßnahmen und Initiativen
zur Erhaltung notwendig.
Die Seychellen haben in den vergangenen beiden Jahrzehnten
vorausschauend Millionen von Euro in die Entwicklung einer umweltverträglichen und
dauerhaft lebensfähigen Fremdenverkehrs- und Freizeitindustrie investiert und gleichzeitig
in den Erhalt seltener Tier- und Pflanzenarten.
Nationalparks:
- Ste. Anne Marine
(1973)
- Morne Seychellois (1979)
- Baie Ternay Marine (1979)
- Curieuse Marine (1979)
-
Port Launay Marine (1979)
- Praslin (Valle de Mai, Maital) (1979)
- UNESCO World Heritage
Site Silhouette Marine (1987)
Special Reserves:
- Aride Island (1975)
- Cousin Island (1975)
- Aldabra (1981)
- UNESCO World Heritage Site La Digue Veuve (1991)
Projekte zum Schutz der Natur
Von den 455 km² Landfläche der Seychellen ist etwa ein Viertel
bewaldet. Die sieben Nationalparks nehmen insgesamt eine Fläche von 43,8 km² ein,
die vier Sonderreservate noch einmal 154,8 km². Zu diesen Gebieten zählen auch die
beiden „World Heritage Sites“ der UNESCO.
Dazu kommen noch 6 weitere Schutzgebiete.
Insgesamt hat man auf den Seychellen 4.000 Tier- und 850 Pflanzenarten identifiziert;
davon werden 60 bzw. 13 Arten als bedroht eingestuft.
In den ersten beiden Jahrzehnten
ihrer staatlichen Unabhängigkeit haben die Seychellen internationale Abkommen ratifiziert,
die u. a. den Handel mit bedrohten Arten, den Walfang, sowie die Herstellung, Erprobung
und Stationierung von ABC-Waffen im Hoheitsgebiet der Seychellen verbieten, die
Handhabung und Entsorgung giftiger Abfälle regeln und den Schutz der Meere, der
Küstenregionen, der Ozonschicht, der natürlichen Ressourcen und des Weltnatur- und
Kulturerbes gewährleisten.
Neben der Regierung der Seychellen haben sich auch zahlreiche
unabhängige Organisationen auf den Seychellen dem Umweltschutz verschrieben: ENVI.R.O,
der Nature Protection Trust, die Seychelles Geosociety und die vielen Wildlife Clubs,
die schon die Kinder an Umweltthemen heranführen. Hier seien einige Beispielen aufgezeigt,
in welche Maßnahmen die Seychellen investiert haben und weiter investieren werden,
um den Erhalt der Natur zu sichern, die natürlichen Ressourcen zu schützen und Schäden
abzuwenden oder auszubessern.
Auch wenn das Ziel hochgesteckt ist, wird am Ende
– davon ist die Regierung der Seychellen überzeugt -, das Bewusstsein der weltweiten
Mitverantwortung für die begrenzte Zahl der noch verbleibenden Naturschätze auf
diesem Planeten obsiegen. Im Jahr 1903 wurde bereits der heute noch existierende
Botanische Garten bei Victoria eröffnet. Er diente schon damals nicht nur der Erbauung,
sondern auch der Forschung an landwirtschaftlich nutzbaren Pflanzen. Mit der Zeit
jedoch wurde das Areal des Gartens an der Mont Fleuri Road zu klein. Schon 1985
begann man deshalb mit Planungen für ein modernes und größeres Zentrum dieser Art.
Bei Barbarons an der Westküste Mahés entsteht nun ein neues Biodiversity Centre,
das einen weitaus größeren botanischen Garten, Baumschulen und einen Naturpark umfassen
wird. Im Informationszentrum wird der interessierte Besucher alles über die Bedeutung
und den Nutzen der Pflanzen erfahren können, während in den Labors die Forschung
vorangetrieben wird. Das Herbarium, das sich derzeit noch in der Obhut des Nationalarchivs
befindet, hilft bei der Identifikation von Pflanzen. Die gesamte Einrichtung wird
für Erholungssuchende und Wissbegierige, für Erwachsene wie für Schulkinder, für
Einheimische wie für Besucher aus dem Ausland gleichermaßen interessant sein. Das
Zentrum wird Hilfen bieten für Blinde und zugänglich sein für Besucher, die auf
einen Rollstuhl angewiesen sind. Während man im alten Botanischen Garten exotische
Pflanzen aus aller Welt findet, wird das neue Biodiversity Centre hauptsächlich
die einheimische Flora des Indischen Ozeans allgemein und der Seychellen im besonderen
präsentieren. Indem alle Vegetationszonen der Seychellen auf kleinem Raum nachgebildet
werden, können alle endemischen Pflanzen hier angesiedelt und so vor dem Aussterben
bewahrt werden. Über einen Zeitraum von 10 Jahren wird dieses Projekt, vorsichtig
geschätzt, etwa 12 Millionen Euro verschlingen. Am Ende der langen Bauzeit wird
man dafür wohl ein pflanzenkundliches Zentrum besichtigen können, das einen Vergleich
mit den besten Einrichtungen seiner Art auf der ganzen Welt nicht zu fürchten braucht.
Aber nicht immer ist die Verwendung der Finanzmittel für den Naturschutz so spektakulär
und offensichtlich: Im Jahr 1997 haben die Seychellen einen zunächst auf fünf Jahre
(1998-2003) angelegten Aktionsplan der Artenvielfalt (National Biodiversity Strategy
and Action Plan = NBSAP) erstellt.
Die einheimische Vogelwelt der Seychellen gehört
zu den artenreichsten im gesamten westlichen Indischen Ozean. Durch die isolierte
Lage des Archipels haben sich hier 15 Arten und 18 Unterarten entwickelt, die es
nur auf den Seychellen gibt. Durch diese Besonderheit zählen sowohl die Granitinseln
als auch das Aldabra-Atoll zu den 218 Endemic Bird Areas (EBA), die man weltweit
identifiziert hat. Im Jahre 1998 wurde die Organisation BirdLife Seychelles ins
Leben gerufen und übernahm Projekte und Programme, die zuvor unter der Obhut von
BirdLife International, darunter das Sonderreservat Cousin Island, das schon seit
1968 von BirdLife verwaltet wird.
Auf dieser Insel wurde die von Menschen angelegte
Kokosnussplantage wieder durch den ursprünglich vorhandenen Urwald ersetzt. Seitdem
wurden hier sehr erfolgreich die Bestände der Seychellengrasmücke (Acrocephalus
seychellensis) wieder erweitert – von nur 29 Exemplaren auf inzwischen wieder über
1.000! Außerdem wurde der Seychellendajal (auch Schamadrossel genannt) von der Insel
Frégate eingeführt, wo auch die Population dieser Vogelart bereits auf 20 Exemplare
zurückgegangen war. Dort wurden ebenfalls die Bestände wieder erheblich erweitert,
nachdem man von Menschen eingeführte Raubtiere von der Insel verbannt hatte.
Die
gesamten Bauarbeiten an der Hotelanlage auf Frégate wurden von den Naturschützern
überwacht, um sicherzustellen, dass die Vögel keinen Schaden nahmen. Die Umsiedlungsprogramme
zwischen den Seychelleninseln gehören zu den wenigen geglückten Vorhaben dieser
Art in der Welt. Ein großangelegtes Projekt zum Ökosystem-Management soll nicht
nur seltenen, vom Aussterben bedrohten Vogelarten wie der Seychellen-Zwergohreule
(Otus insularis), der Seychellendajal (Copsychus seychellarum) und dem Paradiesfliegenschnäpper
(Terpsiphone corvina) helfen, die Populationen wieder zu vergrößern, sondern insgesamt
die Artenvielfalt in den drei Ökosystemen, in denen diese Vogelarten heimisch sind,
wieder erweitern. Das Projekt mit der Bezeichnung Management of Avian Ecosystems
in the Seychelles wird insgesamt 0,95 Million Euro kosten, von denen der Umweltfond
der Weltbank 0,61 Millionen Euro, BirdLife Seychelles 200.000 Euro und die Regierung
der Seychellen 90.000 Euro tragen.
Korallenriffe gehören, neben den tropischen Regenwäldern,
zu den artenreichsten Lebensräumen der Erde. Mit einem Jahresfang von über einer
Megatonne Fisch hängt die Wirtschaft der Seychellen in großem Maß von diesem Lebensraum
ab. Außerdem dienen die Riffe als Wellenbrecher und schützen Küsten vor Erosion.
Im Jahre 1998 wurden allein 100.000 Euro (davon 70.000 Euro in Devisen) in den Bau
von umweltfreundlichen Ankerplätzen (embedment moorings) investiert, die die Korallen
vor Beschädigungen durch Schiffsanker schützen.
Durch die natürliche Erwärmung des
Meerwassers auf der Südhalbkugel in den letzten Jahren, deren Ursachen noch nicht
vollständig erforscht sind, wurden möglicherweise drei Viertel des Korallenbestandes
der Seychellen durch Ausbleichen und Absterben in Mitleidenschaft gezogen. In Pilotstudien
zur Wiederherstellung der Riffe soll nun durch eine neuartige Technologie („mineral
accretion“) versucht werden, das Ökosystem Riff neu zu beleben.
In der Nähe beschädigter
natürlicher Korallenriffe werden zu diesem Zweck stählerne Kunstriffe verankert,
auf denen nach künstlich beschleunigter Kalksteinbildung Korallen „angepflanzt“
werden. Die Fortschritte werden durch Unterwasserkameras laufend überwacht. Über
einen Zeitraum von vier Jahren (1999-2002) wird das Projekt ca. 250.000 Euro kosten.
Die Stahlgerüste müssen aus dem Ausland importiert werden, wozu das Land rund 60.000
Euro an Devisen benötigt.
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